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Willkommen im Zentrum für geriatrische Becken- und Wirbelsäulenchirurgie

Das Zentrum für geriatrische Becken- und Wirbelsäulenchirurgie wurde gegründet, um jede fachspezifische Expertise, die zur Behandlung komplexer Frakturen älterer Patientinnen und Patienten erforderlich ist, synergetisch zu konzentrieren.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Verletzungen des Beckens, der Wirbelsäule und der Hüftgelenkpfanne sowie auf der Versorgung peri-implantärer und peri-prothetischer Frakturen.

Durch die enge Zusammenarbeit von Unfallchirurgie, Geriatrie, Anästhesie, Radiologie, Physiotherapie und weiteren Fachdisziplinen entwickeln wir für jede Patientin und jeden Patienten ein individuelles Behandlungskonzept. Dabei kommen modernste minimalinvasive Verfahren ebenso wie anspruchsvolle offene Rekonstruktionen und komplexe Revisionseingriffe zum Einsatz. Ziel ist eine stabile Versorgung, die eine frühzeitige Mobilisierung und größtmögliche Wiedererlangung der Selbstständigkeit ermöglicht.

Mit unserer profunden Erfahrung in der Behandlung komplexer Becken- und Wirbelsäulenverletzungen sowie osteoporotischer Frakturen übernehmen wir eine überregionale Schwerpunktfunktion und bieten das gesamte operative Spektrum – von minimalinvasiven Stabilisierungen bis hin zu aufwendigen Rekonstruktions- und Revisionseingriffen – aus einer Hand.

Zentrum für geriatrische Becken- und Wirbelsäulenchirurgie

KRH Klinikum Nordstadt
Haltenhoffstr. 41
30167 Hannover

Im Alter nimmt die Knochendichte häufig ab (Osteoporose), sodass bereits inadäquate Traumata oder physiologische Alltagsbelastungen zu Frakturen führen können, die bei intakter Knochenqualität nicht aufgetreten wären. Die Versorgung dieser Frakturen erfordert eine an die reduzierte Knochenqualität sowie die Komorbiditäten geriatrischer Patientinnen und Patienten angepasste Operationsstrategie mit dem Ziel einer übungsstabilen Versorgung und frühzeitigen Mobilisierung. Nachfolgend stellen wir unsere wesentlichen Behandlungsschwerpunkte dar.

Das Sakrum bildet als Teil des Beckenrings die zentrale Verbindung zwischen Wirbelsäule und Becken und ist maßgeblich an der Lastübertragung auf die untere Extremität beteiligt. Bei reduzierter Knochenqualität können hier bereits Bagatelltraumata zu sogenannten Insuffizienzfrakturen führen, die sich klinisch durch belastungsabhängige lumbosakrale bzw. gluteale Schmerzen äußern und radiologisch mitunter erst durch Schnittbildgebung (CT/MRT) sicher zu diagnostizieren sind.

Die transsakrale Verschraubung erfolgt perkutan unter intraoperativer Bildwandlerkontrolle und stabilisiert die Fraktur mit ein bis zwei Schrauben, ohne größere Weichteiltraumatisierung. Aufgrund des minimalinvasiven Zugangs sind Blutverlust und perioperatives Risiko gering. In der Regel ist eine übungsstabile Vollbelastung ab dem ersten postoperativen Tag möglich, was eine zeitnahe physiotherapeutische Mobilisierung erlaubt und die schmerzbedingte Immobilität deutlich verkürzt.
 

Osteoporotische Wirbelkörperfrakturen entstehen häufig ohne adäquates Trauma im Rahmen einer Sinterung des Wirbelkörpers und äußern sich durch akut einsetzende, belastungsabhängige Rückenschmerzen sowie im Verlauf durch eine zunehmende Kyphosierung der Wirbelsäule.

Bei der Kyphoplastie wird über einen minimalinvasiven, perkutanen Zugang ein Ballonkatheter in den Wirbelkörper eingebracht und unter Druck aufgeweitet, um die Wirbelkörperhöhe zu rekonstruieren. Der entstandene Hohlraum wird anschließend mit Polymethylmethacrylat-Zement (PMMA) aufgefüllt, wodurch eine sofortige biomechanische Stabilisierung erreicht wird. Der Eingriff erfolgt in der Regel in Allgemein- oder Analgosedierung und dauert je Wirbelkörper wenige Minuten. Postoperativ zeigt sich meist eine rasche und deutliche Schmerzreduktion mit Mobilisierbarkeit am Folgetag.
 

Instabile osteoporotische Frakturen — etwa bei Mehretagenbeteiligung oder ausgeprägter Frakturmorphologie — sind mit einer alleinigen Zementaugmentation nicht ausreichend versorgt und erfordern eine dorsale Instrumentation mittels Pedikelschraubensystemen.

Da osteoporotischer Knochen eine reduzierte Ausreißfestigkeit (Pull-out-Kraft) der Schrauben aufweist, erfolgt bei Bedarf eine zementaugmentierte Schraubenverankerung, bei der PMMA-Zement über eine kanülierte Schraube in den Wirbelkörper appliziert wird. Dies erhöht die Primärstabilität der Konstruktion signifikant und reduziert das Risiko einer sekundären Schraubenlockerung (Schraubenausriss). So wird auch bei ausgeprägter Osteoporose eine belastungsstabile Versorgung mit früher Mobilisierbarkeit erreicht.
 

Das Acetabulum bildet als Hüftgelenkpfanne die knöcherne Gelenkfläche für den Femurkopf. Frakturen entstehen meist durch höhergradige Traumata und stellen aufgrund der komplexen dreidimensionalen Anatomie hohe Anforderungen an die operative Rekonstruktion. Eine nicht anatomiegerechte Wiederherstellung der Gelenkfläche begünstigt eine posttraumatische Koxarthrose.

Unser Team verfügt über umfassende Expertise in der Versorgung sämtlicher Frakturtypen nach der Klassifikation nach Letournel — je nach Frakturmorphologie über minimalinvasive perkutane Verschraubung oder offene Zugangswege zur anatomischen Reposition und Osteosynthese. Für Frakturen des vorderen Pfeilers und der quadrilateralen Fläche nutzen wir bevorzugt den intrapelvinen Zugang (Intrapelvic Approach, modifizierter Stoppa-Zugang), der eine direkte anatomische Reposition der Gelenkfläche von innen bei gleichzeitig geringerer Weichteiltraumatisierung im Vergleich zum klassischen ilioinguinalen Zugang ermöglicht. Bei posterioren Frakturkomponenten kommt ergänzend der Zugang nach Kocher-Langenbeck zum Einsatz.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Versorgung geriatrischer Acetabulumfrakturen. Diese unterscheiden sich in ihrer Frakturmorphologie häufig deutlich von Verletzungen jüngerer Patientinnen und Patienten: Typisch sind Vorderpfeiler- und assoziierte Zwei-Pfeiler-Frakturen mit medialer Protrusion des Femurkopfes sowie eine ausgeprägte Impaktion der subchondralen Gelenkfläche bei osteoporotisch vorgeschädigtem Knochen. Aufgrund der reduzierten Knochenqualität und häufig bestehender Komorbiditäten ist eine alleinige anatomische Osteosynthese nicht immer ausreichend belastungsstabil. Bei ausgeprägter Trümmerzone, vorbestehender Coxarthrose oder osteoporotisch insuffizientem Pfannenboden kann daher eine kombinierte Versorgung aus Osteosynthese und primärer Hüfttotalendoprothese in gleicher Sitzung (sogenannte „Fix-and-Replace“-Technik bzw. „Combined Hip Procedure“, CHP) oder eine primäre Hüfttotalendoprothese mit Pfannenaugmentation indiziert sein. Die Therapieentscheidung treffen wir individuell und interdisziplinär, mit dem Ziel einer sofort belastungsstabilen Versorgung und frühzeitigen Mobilisierung.
 

Hochinstabile Beckenringfrakturen mit beidseitiger Beteiligung des dorsalen Beckenrings — etwa im Rahmen ausgeprägter osteoporotischer Insuffizienzfrakturen oder komplexer Verletzungsmuster — weisen häufig eine erhebliche vertikale und rotatorische Instabilität auf, die durch eine alleinige iliosakrale Verschraubung nicht sicher beherrscht werden kann.

In diesen Fällen kommt die bilaterale, trianguläre Stabilisierung zum Einsatz: Hierbei wird die iliosakrale Verschraubung beidseits um eine lumbopelvine Instrumentation ergänzt, bei der Pedikelschrauben in den unteren Lendenwirbeln mit iliakalen Schrauben über Längsträger verbunden werden. Durch diese dreidimensionale, dreieckförmige Konstruktion („Triangulation“) wird die Kraftübertragung von der Wirbelsäule auf das Becken beidseits abgefangen und die Rotations- sowie Vertikalstabilität signifikant erhöht. Dieses Verfahren ermöglicht auch bei ausgeprägt osteoporotischem Knochen und komplexen, beidseitigen Beckenringverletzungen eine übungsstabile Versorgung mit früher Mobilisierung — ein entscheidender Faktor zur Vermeidung immobilisationsbedingter Komplikationen bei geriatrischen Patientinnen und Patienten.
 

Periimplantäre bzw. periprothetische Frakturen treten im Bereich liegender Osteosynthesematerialien oder Endoprothesen auf und stellen aufgrund der lokal veränderten Knochenqualität und -geometrie sowie der Notwendigkeit einer Abstimmung auf das Vorimplantat eine besondere therapeutische Herausforderung dar.

Die Versorgung — schwerpunktmäßig an Hüfte, Acetabulum und Femur — erfolgt nach etablierten Klassifikationen (z. B. Vancouver-Klassifikation bei periprothetischen Femurfrakturen) und wird individuell zwischen Osteosynthese unter Erhalt des Implantats und Prothesenwechsel abgewogen. Ziel ist die rasche Wiederherstellung von Stabilität, Belastbarkeit und Mobilität unter Berücksichtigung der Komorbiditäten und der prätraumatischen Funktionalität der Patientin bzw. des Patienten.
 

Bei vorbestehenden Erkrankungen wie Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) oder diffuser idiopathischer Skeletthyperostose (DISH) liegt eine ausgeprägte Ankylosierung langer Wirbelsäulenabschnitte vor. Die veränderte Biomechanik führt dazu, dass bereits Bagatelltraumata zu hochinstabilen, oft mehrsegmentalen Frakturen mit erhöhtem neurologischem Risiko führen können; die Diagnose wird radiologisch nicht selten primär unterschätzt.

Wir verfügen über besondere Expertise in Diagnostik und operativer Versorgung dieser Frakturentität. Therapeutischer Standard ist die langstreckige dorsale Instrumentation deutlich über das eigentliche Frakturareal hinaus, um die gesamte biomechanisch beeinträchtigte Region suffizient zu schienen. Dies ermöglicht eine belastungsstabile Versorgung, eine frühzeitige Mobilisation und die Wiederherstellung der Alltagsbelastbarkeit.
 

Sprechstunde im Zentrum für geriatrische Becken- und Wirbelsäulenchirurgie

Donnerstag:
10:00 - 14:00 Uhr