Nach langem Suchen in der Nordstadt, hinter dem Welfengarten, an der Nienburger Straße, hinter dem Berggarten und sogar in der Listen Feldmark entschied sich die Stadt schließlich für das Gelände an der Strangriede, die später nach dem Stadtdirektor Haltenhoffstraße genannt wird. Die Stadt brauchte einige Zeit, bis sie, für 341.000 Mark, die erforderlichen Grundstücke, insgesamt gut sechs Hektar, an der Strangriede zusammengekauft hatte. Am 27. August 1891 war endlich Grundsteinlegung für das Städtische Krankenhaus I, das nach dem Ende des z. Weltkrieges Nordstadtkrankenhaus genannt wurde. Am 31. Januar 1895 wurde der Bau übergeben, am 1. Februar war die Einweihung. Die Baukosten betrugen drei Millionen Mark.
Die Anlage bestand aus fünf zweistöckigen Pavillons für Kranke 3. Klasse, sechs einstöckigen Isolierpavillons, einem dreistöckigen Pavillon für 1.- und 2.-Klasse-Patienten. Dazu gab es ein Operationshaus, ein Pathologisches Institut, ein Verwaltungsgebäude, ein Wirtschaftsgebäude mit Kochküche und Dampfwäscherei, Kessel- und Maschinenhaus sowie eine Desinfektionsanstalt nicht zu vergessen zwei kleine Wohnhäuser für "Wärterinnen". Schwerpunkte waren offensichtlich die Chirurgie und die Klinik für Infektionskrankheiten.
Im Verwaltungsgebäude bekam auch die Krankenhausapotheke ihren Platz. Dort hielt Apotheker Professor Dr. Ernst Laves Einzug, der das Stärkungsmittel Lecin entwickelt hatte.
Im 1. und 2. Stock des Verwaltungsgebäudes lagen die Dienstwohnungen des Direktors, des Verwaltungsinspektors, der Assistenzärzte und das Ärztekasino, im 3. Stock hatten weitere Schwestern ihre Wohnräume, andere wohnten auf den Krankenstationen. Die Schwestern (12 insgesamt, unter der Leitung der Oberschwester Elisabeth von Bernstorff) wurden vom Henriettenstift gestellt.
Dass das Ärztekasino genau unter der Wohnung des Chefarztes lag, erwies sich gelegentlich als fatal. "Weil die Arbeit gewöhnlich den ganzen Tag verschlang, mussten wir für die Freude meist die Nachtstunden zu Hilfe nehmen," erinnerte sich der ehemalige Assistenzarzt Dr. Roesebeck im Jahre 1920. "Und so weiß denn unser altes, trauliches Kasino von vielen fröhlichen Stunden zu erzählen, von frohem Sang und Becherklang, so dass unser verehrter Herr Direktor, der damals ein Stockwerk unter uns wohnte, uns manches liebe Mal auf den Blocksberg gewünscht haben mag."
Den mittleren Teil des Krankenhauskomplexes bildeten die großen Männer- und Frauenpavillons der medizinischen und der chirurgischen Abteilung mit dem Operationshaus in der Mitte. Der westliche Teil des Geländes war für die Isolierpavillons und das Leichenhaus vorgesehen, der östliche für das dreistöckige Haus der Privatpatienten. Im Süden schirmten das Wirtschaftsgebäude und das Badehaus den Blick gegen den Strangrieder Friedhof ab.
Die Pavillons waren durchweg in ihrer Längsachse in nordsüdlicher Richtung gebaut, so dass die Fenster der großen Säle sich nach Westen und Osten öffneten. Am Südkopf jedes Pavillons lag ein Tagesraum, dessen große Fenster reichlich Licht, Luft und Sonne hereinließen. Vor jedem Tagesraum lag eine breite Rampe, die bei gutem Wetter zu Freiluftkuren genutzt wurde.
Die Grünanlagen entwarf der Stadtgartendirektor Julius Trip, dem Hannover auch den Maschpark und den erweiterten Stöckener Friedhof verdankt. Die Gartenanlagen des Nordstadtkrankenhauses, schrieb ein Chronist, seien so künstlerisch gelungen, "dass mancher Kranke seiner Überzeugung Ausdruck verliehen habe, dass er im Krankenhaus Nordstadt ebenso gut aufgehoben sei wie in einem Badeort". Noch 1920, zum 25jährigen Bestehen der Klinik, lobte ein Festredner: "Trotz der vielen im Laufe der Jahre notwendig gewordenen Um- und Neubauten ist die Einheit der Krankenhausanlage vollkommen gewahrt. Die Lage der einzelnen Gebäude zueinander entspricht den praktischen Bedürfnissen. Aber auch auf die Schönheit der Wirkung ist Bedacht genommen. Von großer Bedeutung sind die herrlichen gärtnerischen Anlagen, die mit so künstlerischer Hand geschaffen worden sind. Herrliche Baum- und Strauchgruppen, abwechselnd mit saftigen grünen Rasenflächen, farbenfrohen Blumenbeeten und immergrünen scharf geschnittenen Hecken bieten überall ein abwechslungsreiches, schönes Bild und lassen vergessen, dass wir uns auf dem Gelände eines Krankenhauses mit all seinen Schmerzen und Leiden befinden."